Sammlung kleiner Gedichte von Arne Rau - Computing @ Chaos Claudius


Herbst

Und immer wieder diese Stunde der Einsamkeit.
Nicht, dass mir etwas in diesem Raume
Nähme die warme Geborgenheit, nein, denn das Feuer
Greift mit roten Fingern nach mir und wes bedürften
Wir mehr aus dem Äussern als dieses Scheines
Auf unsern Gesichtern. Und spricht nicht
Ein jedes der Dinge, versammelt hier und wie wartend,
Noch mit der Stimme der Freundin, die einst sie berührte,
Ist es nicht ihr Hauch, der neben mir geht ?

Aber die Freunde sind weit. Und verliess ich
Den einen auch erst in dieser Stunde, die ewige
Trennung, die so gewiss ist, wie noch in jedem
Jahre folgte ein Herbst einem Sommer
Und umso schwererer Herbst einem volleren Sommer,
Die Trennung entfernt uns so weit, als wäre ein jeder
Einsam ein Stern, nähernd für eine kurz nur bemessene
Zeit seine Bahn einem andern und einsam wieder für lange.

Und so drängen wir immer wieder unseren
Schmerzlichen Ruf dem Raum auf.
Vielleicht, dass ihn einmal noch einer vernähme.
Ist denn die Kraft unseres Herzens nicht mehr verlässlich ?
Oder hat es zu lange nur geschwiegen,
So wie auf einsame Inseln Verschlagene, allein,
Ihrer Stimme beraubt, da ja der andere fehlt,
Den sie ansprächen, langsam verlernen ihrer Worte Gebrauch ?

Aber vielleicht ist es auch nur, dass die Luft
Zu dicht ist von Klagen ihrer entstellten Umgebung,
Und nun nichts mehr eindringt.

Arne Rau, 1938/1939


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